Wie sieht eigentlich ein Designprozess aus? Welche Phasen durchlaufen wir als DesignerInnen? Schwierig zu beantworten, da jeder anders vorgeht. In der Literatur findet man einiges zu Designprozessen. Man findet diverse Prozessmodelle und alle versuchen den einen „richtigen“ Designprozess abzubilden. Doch was ist schon der eine „richtige“ Designprozess? Ein paar Gedanken dazu und ein gutes Beispiel eines Prozessmodells.

Kernaspekte eines Designprozesses

Der Designprozess …

  • … besteht aus mehreren Phasen, die sich in Problem- und Lösungsraum unterteilen.
  • … hat konvergente und divergente Denkphasen.
  • … ist iterativ, intuitiv, kreativ und offen.
  • … wird durch Designmethoden positiv beeinflusst.
  • … ist nutzerInnen-zentriert.
  • … braucht Design Research Methoden.
  • … profitiert von Perspektivenvielfalt.

Die Vielfalt an Prozessmodellen bietet Einblicke in den Designprozess

Gewiss ist eigentlich nur, dass vom ersten Briefing bis zum fertigen Design bestimmte Phasen durchlaufen werden. In einer Publikation von Dubberly Design Office (2004) wurden jede Menge Prozessmodelle gesammelt und analysiert (PDF zum Download). Diese geben Aufschluss über verschiedene Aspekte des Designprozesss aber schlussendlich kann kein allgemein gültiger Designprozess definiert werden. Bestimmte Aspekte, Bestandteile, Aufgaben und Phasen tauchen zwar in den unterschiedlichen Modellen immer wieder auf, aber trotzdem können diese mMn. nicht in einem Modell zusammengefasst werden. Alle Prozessmodelle tragen ihre Wahrheiten in sich, doch trotzdem ist jeder Designprozess anders.

Double Diamond Prozessmodell vom Design Council

Ein oft vorgestelltes Prozessmodell ist der Double Diamond Prozess vom Design Council. Man erkennt in diesem Modell vier Phasen (Discovery, Define, Develop, Deliver). Außerdem sieht man, dass es zwei divergente Phasen (Öffnen) und zwei konvergente Phasen (Fokussieren) gibt.

Double Diamond Process

Quelle: https://www.researchgate.net/figure/Double-diamond-design-process-Design-Council-2014_fig4_283687728

Dadurch werden sehr viele Problemaspekte, Informationen und Ideen zugelassen und dann gefiltert, hinterfragt und ausgewählt. In der Hälfte des Prozesses passiert die Problemdefinition, da man das tatsächliche Problem ja zu Beginn noch gar nicht wissen kann. Man beginnt mit einem groben Problem und durch verschiedene Research-Methoden gewinnt man Erkenntnisse über die NutzerInnen und deren Bedürfnisse. Man ergründet das Problem in seiner Tiefe, um schlussendlich das konkrete Problem zu definieren. Dieses gilt dann auch als Ausgangsbasis für die weitere Entwicklung der Ideen und Designs.

Was unter anderem fehlt in diesem Prozessmodell und eine typische Eigenschaft für den Designprozess ist, ist sein iterativer Charakter. Prozessphasen werden oftmals nicht nur einmal durchlaufen, sondern in Iterationen wiederholt und auch zwischen Phasen hin- und hergesprungen. Allerdings muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass das Double Diamond Prozessmodell mittlerweile vom Design Council überarbeitet wurde und dieser als auch andere Aspekte dabei berücksichtigt wurden – siehe dazu dieser Artikel.

Weshalb gibt es eigentlich Prozessmodelle?

Das Double Diamond Prozessmodell vereint eigentlich auf einfache Art und Weise viele Aspekte eines Designprozesses. Aber weshalb ist es eigentlich wichtig ein Prozessmodell zu „erfinden“ und es in so einer vereinfachten Form darzustellen? Gerade in der Lehre von Design aber auch in Workshops, wo design-fremde Menschen einen Designprozess durchlaufen und etwas gestalten sollen, ist es wichtig ein einfaches Modell zeigen zu können. Nur so kann man bewusst machen, wie ein Designprozess beispielsweise ablaufen kann.

Außerdem kann man als DesignerIn mithilfe eines Prozessmodells immer wieder hinterfragen, wo man sich eigentlich gerade befindet und welche Aufgaben mit der vorangehenden Prozessphase verbunden waren, um dadurch die eigene Arbeitsweise zu reflektieren und zu verbessern als auch für KundInnen nachvollziehbarer zu machen.

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