In einem Designprozess werden visuelle Designmethoden eingesetzt, um die Kreativität und das damit einhergehende divergente und konvergente Denken zu fördern. Außerdem werden Designmethoden eingesetzt, um eine gewisse Systematik in den sonst sehr offenen Prozess zu bringen.

Eine Definition von Designmethoden macht Cross (2000) mit folgender Aussage:

„Design methods can be any procedures, techniques, aids or tools for designing. They represent a number of distinct kinds of activities that the designer might use and combine into an overall process.“ (Cross, 2000, S. 46)

Betrachtet man nun visuelle Designmethoden, so erfolgt eine Einschränkung derselben auf Designmethoden, welche rein visueller Natur sind. Das heißt, dass sich diese Methoden Bilder, Grafiken, Darstellungen oder andere Abbilder zu Nutze machen, um die unterschiedlichen Phasen des Designprozesses zu fördern.

Um das Wort visuell genauer zu beschreiben, kann auf die Definition von visueller Kommunikation zurückgegriffen werden:

„Visuelle Kommunikation bezeichnet sämtliche Entstehungs-, Vermittlungs- und Austauschprozesse von Bedeutungsinhalten, sofern sich diese auf visuelle Phänomene beziehen, die sich in Form von Bildern materialisieren.“ (Müller, 2015, S.23)

Unter visuell kann also die Darstellung von Bedeutungsinhalten beschrieben werden, welche sich in Form von Bildern materialisieren lassen. Diese Bilder können nach Mitchell (1986) in zwei unterschiedliche Bildgruppen unterteilt werden, nämlich in

  • materielle Bilder, wie es Gemälde, Zeichnungen oder Fotografien sind und
  • immaterielle Bilder, bei welchen es sich beispielsweise um Ideen, Erinnerungen oder Vorstellungen handelt.

Bei den visuellen Designmethoden spielen materielle Abbilder als auch immaterielle Denkbilder eine essentielle Rolle. Denn durch das Ansehen von Abbildern entstehen unmittelbar auch Denkbilder (Vorstellungen, Ideen, Assoziationen), und durch Denkbilder können Abbilder (z.B. Skizzen) entstehen (Müller, 2015). Anfangs- oder Endprodukt von visuellen Designmethoden sind jedoch stets sichtbare materielle Abbilder.

Eine weitere Unterscheidung der materiellen Abbilder kann durch eine Kategorisierung nach dessen ProduzentIn erfolgen. Hierbei können

  • man-made images, welche vom Menschen hergestellt wurden (z.B. Zeichnungen oder Gemälde) und
  • machine-made images (z.B. Fotografien) genannt werden (Müller, 2015).

Im Designprozess werden diese beiden Arten von Abbildern auf unterschiedliche Weise von den Personen erlebt. Während man-made images im Designprozess von den beteiligten Personen selbst erstellt, also gezeichnet werden, um in weiterer Folge rezipiert und verarbeitet zu werden (z.B. um komplexe Sachverhalte einfach darzustellen und tiefer zu verstehen), werden machine-made images in fertiger Form (z.B. digitale Bilder) in den Designprozess eingebunden und dazu verwendet, um von den Personen rezipiert und verarbeitet zu werden (z.B. um neue Assoziationen in der Ideengenerierung oder der Erstellung einer Context Map zu bekommen).

Der Fokus der unterschiedlichen visuellen Designmethoden liegt also entweder im aktiven Entstehen von Abbildern (bspw. durch das Zeichnen oder auch durch das Anordnen von Elementen) oder im Wahrnehmen von Abbildern (bspw. durch das Betrachten), wobei es durch das Wahrnehmen zu einer Verarbeitung und zum Entstehen von Gedanken kommt. So kann beispielsweise das Betrachten eines Bildes gewisse Assoziationen und Denkbilder hervorrufen, welche im Designprozess in weiterer Folge vielversprechende Ideen entstehen lassen.

Eine Definition von visuellen Designmethoden kann demnach wie folgt lauten:

„Visuelle Designmethoden sind sämtliche Designmethoden, in deren Fokus Abbilder stehen, welche entweder aktiv entstehen oder wahrgenommen werden – dabei können Bilder eingesetzt werden, das Zeichnen und/oder das Anordnen von Elementen.“

Quellen

Cross, N. (2000). Engineering Design Methods: Strategies for Product Design, John Wiley & Sons, Ltd

Mitchell, W. J. T. (1986). Iconology: Image, Text, Ideology. Chicago: University of Chicago Press.

Müller, M. G. (2015) Grundlagen der Visuellen Kommunikation. UVK Verlagsgesellschaft mbH, Konstanz und München 2015

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